FORUM:LEHRENDE Fortbildung
Die Motivation zum Üben und Musizieren

Montag
31.08.2026
9:45 bis 17:30
NÖ Schülerinnen und Schüler / Studierende bis 25: EUR 20,00
Ort:
Schloss Zeillern
Schlossstraße 1
3311 Zeillern
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Motivieren müssen angeblich beide: Lehrende und Eltern, ohne Motivation geht scheinbar nichts. Die einen sollen ihre Schülerinnen und Schüler einmal wöchentlich über ein gehöriges Maß an Spaß zum Musizieren verführen. Instrumentalunterricht sei dann ein guter Unterricht, wenn das methodische Agieren den Prinzipien der modernen Hyper-Kulturen angepasst wird: mehr, schneller, lauter, schriller, bunter, peppiger, aufgemotzter, aufschäumender und (s.v.v.) geiler. So wird das mit der Übemotivation dann schon klappen. Die anderen sollen ihre Kinder mit einem neuen „Mut zur Disziplin“ zum täglichen häuslichen Üben anhalten. Lehrende und Eltern bräuchten lediglich die richtigen Methoden und Rituale anzuwenden – vor allem aus der neurodidaktisch inspirierten Lernpsychologie und den Erziehungstipps von „Super Nanny“ –, schon würde nicht nur die Übemotivation anwachsen, nein, auch die Berufsmotivation stiege in unermessliche Höhen. Und dann wären da noch die Schülerinnen und Schüler, um deren willen der ganze Motivationsschnickschnack betrieben wird.
Wie steht es eigentlich um die Schülermotivation: Warum müssen sie überhaupt motiviert werden? Haben wir uns in der Erwachsenenrolle wirklich tiefgreifend mit der Frage beschäftigt, was das Üben so unattraktiv erscheinen lässt? In dieser Fortbildung soll deutlich werden, dass wir sowohl in der Lehrendenrolle, als auch in der Position der Eltern, schneller zu einem „pädagogischen Unmenschen“ mutieren, als uns das lieb sein kann. So sorgt ein freundliches und nobles Auftreten leider noch nicht für gelingende pädagogische Erfahrungsräume und unsere kommunikativen Überredungsbegriffe werden von den Schülerinnen und Schülern auch schnell als das enttarnt, was sie in Wahrheit sind: Täuschungsmanöver. Besonders skurril wird die Sache mit dem Üben, wenn Unterricht lediglich zum Abfragen der Hausaufgaben daherkommt. Und unter der tiefenpsychologischen Lupe entlarvt sich so manch ein Unterricht als ein Abarbeiten von Schuld. Eine einfache und oberflächliche motivationale Symptombehandlung ist nicht das Ziel dieses Seminarteils. Es stehen pädagogische Denkübungen im Mittelpunkt, die weiter und tiefer reichen, möglichst bis an die Wurzel der alltagspädagogischen Problemstellungen. Daher werden auch die Strafformen im Wandel der Zeit analysiert, mit deren Hilfe die Übeleistungen der Schülerinnen und Schüler sicher gestellt werden sollen. Spannend wird es an den Stellen, wo auch die reformpädagogischen Ansätze zu perfiden Selbstkontrollprozeduren verkommen.
Fachbereich: alle Lehrende
begrenzte Teilnehmendenzahl
Anmeldeschluss: Mi 10. Juni 2026
Michael Stecher
studierte an der pädagogischen Hochschule Freiburg Musik und Reformpädagogik und Hauptfachtrompete sowie Zusatzfächer Dirigieren, Rhythmik und Früherziehung an der Musikhochschule Freiburg. Er ist Trompetenlehrer an der Musikschule Südlicher Breisgau in Staufen, Dozent am an der Bundesakademie Trossingen und seit 2012 Akademischer Mitarbeiter für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Freiburg. Als Dozent von Seminaren in der Lehrerfortbildung ist er in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefragt. Regelmäßige Gastvorträge zu instrumental- und probenpädagogischen Themen führen ihn zu Seminaren und Symposien an Hochschulen, Akademien und Verbänden.